Documenta Kassel

Die Documenta 13 (2012) in Kassel – Einst war die Documenta der Spiegel aktueller künstlerischer Belange! Was diese Documenta bietet ist noch nicht ganz ersonnen und wohin die Reise gehen soll kann auch hier niemand so richtig deuten. Groß und bunt ist sie… nun sagen wir mal „ein Versuch es allen recht zu machen“ bei der Fülle der Künstler allemal. Ich werde das Gefühl nicht los, die Documenta versinkt von Mal zu Mal mehr in der Bedeutungslosigkeit. Nur ein Gefühl und die Besucher kommen gerne um zu „klotzen“, was soll man auch sonst im Sommerloch 2012 mit der Kunst anstellen. Verstehen muß man nicht unbedingt die Hintergründe, sofern vorhanden – es ist eben des Kurators Macht zu zeigen was ihm wohlgesonnen und nicht das was eigentlich als „Dokument“ unserer Zeit (2012) wichtig wäre. Immer das Gleiche auf der Liste der Verdächtigen vom Geld getrieben künstlerisches allerlei… Also anschauen lohnt sich sicherlich und Kultur hat seinen Preis.

Gedanken zu bedeutenden Werken vergangener Zeiten

Das künstlerische Werk von Joseph Beuys ist ein unverwechselbares nicht so sehr durch einen ausgeprägten Stil, wie auch die Erscheinung der einzelnen Arbeiten keine datierbare Stilentwicklung verrät. Was sie vielmehr charakterisiert, ist Unmittelbarkeit und Ökonomik. Nur vereinzelt die Werke, in denen die aufgewendeten Mittel und Verfahren einen Anflug von Opulenz zur Schau tragen. Das wenige, das erforderlich ist, der Botschaft Ausdruck zu geben, ist nicht verstellt durch das, was es eingängiger machen könnte durch Annehmlichkeit. Sich einrichten zu können im Ansprechenden, ist allemal das Missverständnis des selbstbezogenen Betrachters: alle Kunst bleibt unbehaust, es ist ein Risiko, sie aufzunehmen, und das an ihr, was sich erklärt, betrifft ihr Wesen kaum. Was aber die Unmittelbarkeit angeht, so ist sie es, die der einzelnen Arbeit ihr Gesicht gibt.

Der Impuls in die Sichtbarkeit bestimmt Gewicht, Schnelligkeit, Verlauf der Linien. Das Unmittelbare ist zeitlos. Mögen im Frühwerk ausgeführtere, valenzreichere Zeichnungen häufiger sein, so reicht doch der flüchtig erscheinende, kaum mehr als andeutende Niederschlag in die frühesten zeichnerischen Zeugnisse des Heranwachsenden zurück, und er hat diese ganz persönliche Art, sich zu äussern, abgegrenzt von dem, was im Studium ihn fördern sollte, aber als das bloss Erlernbare Anspruch auf Erhaltung für ihn nicht hatte. Wissen, Erkenntnis, Fertigkeiten, sie waren ihm selbstverständliche Voraussetzung fürs künstlerische Tun, nicht aber rezepthaftes Richtmass für dessen Form. Als «Ver/ängerung des Gedan/cens», wie Beuys sie einmal genannt hat, ist die Zeichnung von dessen Impuls ausgelöst und angetrieben, sie ist eine Alternative des Schreibens und kleidet sich in die Handschriftlichkeit des Duktus, die der Temperierung des auslösenden Moments entspricht.

Kein Kalkül, sondern selbstverständliche Sicherheit, die des Instinkts, aber auch die klassische, die er als Bewunderer des Klassizismus durchaus verfügbar hafte und in Urteil und Lehre weitervermittelte; er schätzte an den grossen Bildhauern dieser Epoche, von denen er Thorvaldsen in spätere Aktionen einbezog, die lockere Frische der zeichnerischen Konzeption, die die Basis der letztgültigen Klärung im Plastischen Werk war, das, dem Wechselstrom der Impulse entrückt, alle Spannung nach innen nimmt und gesammelt ausstrahlt. Seinen eigenen grossen plastisch-räumlichen Arbeiten, von denen die wenigsten sich den klassischen Materialien und Arbeitsweisen verdanken, ist doch der klassische Geist immanent, ein Geist der Ordnung und Klarheit, der indessen dem Geheimnis nichts von seiner Hermetik nimmt. Unmittelbar wie das Zeichnen ist die Wahl der materiellen Bestandteile. Empfindlich für die Signale von Farbe, Form, Physiognomie, wählte er spontan auch aus dem Unansehnlichsten: es ist die Poesie des Unauffälligen, eine stille, eher verhaltene, die derart aus den Werken spricht, spröde, aber nicht roh; Verfeinerung ist ja nicht allemal das Produkt der Glätte.

Textnachweise: Martina Dreyfus (Kunstforum Berlin)

Documenta Verzeichnis:
08.06.02 – 15.09.02 documenta 11 documenta, Kassel

21.06.97 – 28.09.97 documenta 10 documenta, Kassel

13.06.92 – 20.09.92 documenta 9 documenta, Kassel

12.06.87 – 20.10.87 documenta 8 documenta, Kassel

19.06.82 – 28.09.82 documenta 7 documenta, Kassel

24.06.77 – 02.10.77 documenta 6 documenta, Kassel

30.06.72 – 08.10.72 documenta 5 documenta, Kassel

27.06.68 – 08.10.68 documenta 4 documenta, Kassel

27.06.64 – 05.10.64 documenta 3 documenta, Kassel

11.07.59 – 11.10.59 documenta 2 documenta, Kassel

15.07.55 – 18.09.55 documenta 1 documenta, Kassel

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